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Interviews -
Gemütlicher Plausch mit Lars Geipel und Marcus Helbig – Bundesliga-Schiedsrichter „zum Anfassen“

Lars Kimpel und Thorsten Steeger von handballschiri.com hatten nach dem letzten Saisonspiel (HSG Wetzlar – HSV) des Schiedsrichtergespanns Lars Geipel (31) aus Steuden und Marcus Helbig (35) aus Landsberg am 03.06.06 die Möglichkeit, mit den zweien in lockerer Runde über ihren Job zu plauschen.

Lars Geipel und Marcus Helbig pfeifen mittlerweile schon 8 Jahre für den DHB. Gefunden haben sich die Zwei vor 13 Jahren. Nach einem Derby in der Verbandsliga wurden die beiden von Ihrem damaligen Kreis-Schiedsrichterchef gefragt, ob sie nicht mal zusammen pfeifen wollten. Was letztendlich daraus geworden ist, ist uns allen bestens bekannt. Aber warum in alles in der Welt wird man als junger Mensch Schiedsrichter? „Ich habe mich immer über die – meiner Meinung nach – schlechten Schiedsrichterleistungen in der Jugend geärgert. Ich wollte es besser machen, als die anderen“. Trost für alle Schiedsrichter: „...Aber ich habe schnell gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist."

" Psychologie ist ein wichtiger Faktor beim Pfeifen"

Natürlich wurde auch das gerade gepfiffene Spiel „analysiert“. Auffallend war der freundschaftliche Umgang zwischen Schiedsrichtern und Spielern/Trainern. Auch wenn man mal unterschiedlicher Meinung war, so wurde die Situation mit einem kurzen Gespräch wieder entschärft. „Psychologie ist ein wichtiger Faktor beim Pfeifen“, so Lars Geipel.

Es gibt keine Patentrezepte für bestimmte Situationen. Das oft genannte Fingerspitzengefühl ist notwendig.



„Ein Bundesliga-Spiel ist nicht so einfach zu pfeifen wie es vielleicht manchmal aussieht“, warnt Lars Geipel. „Das allerwichtigste ist, dass man von den Spielern und Trainern akzeptiert wird.“ Und sein Partner Marcus Helbig fügt hinzu, dass „die Akzeptanz hart erkämpft werden muss. Das funktioniert nicht von jetzt auf gleich.“

" Es ist nie schön, Fehler zu machen"

Interessant ist auch, dass nach dem Spiel noch mal diverse Szenen durchgesprochen werden, um Fehler zu analysieren und abzustellen „...es gibt jede Saison immer wieder „schlechte“ und „sehr schlechte“ Spiele, wenn eine oder vielleicht sogar beide Mannschaften unzufrieden sind. Es ist nie schön, Fehler zu machen – und schon gar nicht gehäuft oder vielleicht entscheidende. Das ärgert einen sehr“. Aber alleine die Erfahrung zu machen und mit den Reaktionen der Mitmenschen konfrontiert zu werden, macht das Pfeifen zu einem tollen Erlebnis.

"Außerdem gibt es ja auch jede Menge tolle Spiele, die man nie vergessen wird", so Lars und Marcus. "Das erste Spiel in der
1. Bundesliga, das Final-Four in Hamburg, die internationalen Einsätze oder solche Derbys wie die zwischen Kiel und Flensburg. Aber egal was man pfeift, ob Damen oder Männer, Jugend oder Senioren - am schönsten ist es immer, wenn beide Teams zufrieden sind und man selbst das Gefühl hat, heute war es o.k."


Was möchtet ihr jungen Schiedsrichtern mit auf den Weg geben? "Es gibt sehr, sehr viele Dinge, die ein guter Schiedsrichter haben sollte.

 

Dazu zählt Persönlichkeit, Selbstbewußtsein, Regelkenntnis, Mut, Einfühlungsvermögen. Aber das vielleicht wichtigste neben der Fähigkeit, in jeder Situation ruhig zu bleiben, ist die eigene Kritikfähigkeit. Man muss aus jedem Spiel, aus jedem Fehler, aus jedem Gespräch mit Beobachtern, Spielern oder Trainern lernen. Selbst wenn die Kritik manchmal heftig und unsachlich erscheint, stellt sich immer die Frage: Steckt da nicht vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit drin?“

" Viel interessanter ist, wie viel Zeit und Urlaub für die Pfeiferei draufgeht."

Das Leben eines Bundesliga-Schiedsrichters ist auch nicht immer so locker, wie es vielleicht scheint. Ca. 40 Spiele haben Lars und Marcus in der vergangenen Saison gepfiffen.

Auf die Frage nach zurückgelegten Kilometern sagte uns Lars: “Das ist schwer zu sagen, da wir auch viel mit der Bahn oder dem Flugzeug unterwegs sind. Wenn Du diese Verkehrsmittel mitrechnest, kommst Du locker einmal um den Globus. Im Auto sind es aber jedes Jahr mindestens 25.000 Kilometer. Viel interessanter ist, wie viel Zeit und Urlaub für die „Pfeiferei“ draufgeht. Du bist so gut wie jedes Wochenende weg. Und allein in der abgelaufenen Saison habe ich für Bundesliga-Wochentags- und Europacupspiele sowie internationale Meisterschaften 26 Tage Urlaub nehmen müssen. Da bleibt privat so gut wie nichts mehr übrig.“
Zu den Wochenendeinsätzen kommen noch die Spiele dienstags und mittwochs hinzu. „Mittwoch Abend in Schweden gepfiffen und am Donnerstag Morgen um 9:00 Uhr wieder im Büro“, erzählt Marcus. „Das kann schon mal stressig werden und man braucht einen Chef und Kollegen, die hinter einem stehen". Auch kann es passieren, dass man das Rasen mähen unterbrechen muss, wenn ein anderes Gespann im Stau steht und ausfällt.
Zeit für das ein oder andere Hobby bleibt dennoch. Lars: "Ich lege sehr viel Wert auf meine Freunde (Partys, Bars, Kino, Theater, Oper) und meine Familie. Aber natürlich will ich auch fit bleiben und jogge dafür regelmäßig.“
Doch damit nicht genug. Lars hat noch die Funktion des Schiedsrichter-Sprechers inne. Marcus war früher noch im Schiedsrichterausschuss des Handball-Verbandes Sachsen-Anhalt und Lars Schiedsrichteransetzer für die Verbands- und Oberliga. Aber das mussten wir mit unserer Nominierung für die EHF und IHF einfach aufgeben, weil sich das zeitlich absolut nicht mehr vereinbaren ließ.

"Die Seite ist wirklich super gemacht und vor allem inhaltlich top."

Natürlich haben wir die beiden auch auf handballschiri.com angesprochen und erhielten ein Feedback, dass wir erfreulicherweise auch von Euch allen schon gesagt oder geschrieben bekommen haben. „Die Seite ist wirklich super gemacht und vor allem inhaltlich Top. Ob Regelwerk, Forum, Chat, Spiele-Manager, Fotogalerien und, und, und … Wo bekommt man so viel Wissenswertes rund um das Schiedsrichterwesen auf einer Seite geboten? Das ist schon große Klasse. Weiter so!!!“

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen euch viel Erfolg in der neuen Saison 2006/2007 und viele weitere schöne Erfahrungen in unserem Sport.

Lars Kimpel und Thorsten Steeger


 

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